Donnerstag, 11. März 2021

Vaterherz

In seinem Brief über den hl. Josef, Patris corde (8. XII. 2020), mit dem Papst Franziskus ein „Jahr des hl. Josef“ bis zum 8. Dezember 2021 ausruft, sagt er, dass sein Ziel sei, „die Liebe zu diesem großen Heiligen zu fördern und einen Anstoß zu geben, ihn um seine Fürsprache anzurufen und seine Tugenden nachzuahmen“.


Deshalb beginnt der Papst zu erklären, welche Art Vater der hl. Josef war und welche Sendung ihm Gott anvertraute. Der hl. Josef war nicht das, was wir heute „biologischer Vater“ Jesu nennen würde, sondern nur sein „legaler Vater“. Trotzdem lebte er die Vaterschaft für Jesus und als Gemahl Mariens in hervorragender Weise. Als solchen haben ihn viele Heilige betrachtet, angefangen vom hl. Irenäus und dem hl. Augustinus, über diverse Kirchenlehrer, unter denen die hl. Teresa von Avila hervorragt, bis zum hl. Josefmaria und dem hl. Johannes Paul II.

Wenn man den Brief von Franziskus liest und betrachtet, kann es einem gelingen wiederzuentdecken, wie der hl. Josef nicht nur Behüter der Kirche ist, sondern auch der Menschheit, besonders ihres zerbrechlichsten Teiles, jener bedürftigsten Glieder. Auf jeden Fall handelt es sich um einen wichtigen Heiligen. Mehr noch, wie Franziskus schreibt, „Nach Maria, der Mutter Gottes, nimmt kein Heiliger so viel Platz im päpstlichen Lehramt ein wie Josef, ihr Bräutigam.“

Warum jetzt dieser Brief? Franziskus weist darauf hin, dass es - zusammen mit dem Anlass des 150. Jahrestags der Erklärung Josefs als den Patron der gesamte Kirche - einen „persönlichen“ Grund gibt: von dem zu sprechen, was sein Herz erfüllt (vgl. Mth 12, 34). Außerdem bekennt er in der Einführung: „dieser Wunsch ist jetzt in den Monaten der Pandemie gereift“. So lernen wir einige Gedanken und den geistigen Prozesse kennen, die sich im Herzen des Papstes während der Pandemie abgespielt haben (vgl. ausführlicher im Buch Wage zu träumen! Mit Zuversicht aus der Krise. Gespräche mit Austen Ivereigh. Kösel-Verlag 2002).

Wie es der Papst bei verschiedenen Gelegenheiten getan hat, hebt er hervor und dankt für das Zeugnis von so vielen „gewöhnlichen Menschen – die gewöhnlich vergessen werden – ,(…) die aber heute zweifellos eine bedeutende Seite unserer Geschichte schreiben“, denn sie arbeiten, geben Hoffnung und beten, fast immer diskret, aber indem sie uns alle stützen.

Ihnen allen und auch uns schlägt er das Beispiel und die Hilfe des hl. Josef vor: „Alle können im heiligen Josef, diesem unauffälligen Mann, diesem Menschen der täglichen, diskreten und verborgenen Gegenwart, einen Fürsprecher, Helfer und Führer in schwierigen Zeiten finden. Der heilige Josef erinnert uns daran, dass all jene, die scheinbar im Verborgenen oder in der „zweiten Reihe“ stehen, in der Heilsgeschichte eine unvergleichliche Hauptrolle spielen. Ihnen allen gebührt Dank und Anerkennung“.

In seinem Brief widmet Papst Franziskus dem hl. Josef sieben Überschriften in Form von „Titeln“, die sieben Anrufungen einer kleinen „Litanei des Vaters“ entsprechen könnten: geliebter Vater, in der Zärtlichkeit, in dem Gehorsam, in der Annahme, im schöpferischen Mut, in der Arbeit, immer im Schatten.

Neben den historischen und biblischen „Wurzeln“ des hl. Josef (vgl. Gen 41, 55; 2 Sam 7, Mth 1, 16.20), des geliebten Vaters, und den Grundlagen seiner Identität und unserer Verehrung für ihn (seine Verbundenheit mit der Menschwerdung des Sohnes Gottes und seine Rolle als gesetzlicher Vater Jesu und Mann Mariens), treten in dem Brief große Themen des Lehramtes von Franziskus zu Tage, mit eigenen Akzenten und Ausdrücken.



Vater in der Zärtlichkeit, im Gehorsam und in der Annahme

„Jesus erlebte an Josef Gottes Barmherzigkeit“ (Nr. 2), was man von jedem guten Vater erwarten sollte (vgl. Ps 103, 13). Während er ihn in seiner kindlichen Schwäche beschützte, lehrte Josef Jesus, Gott zu „sehen“ und sich im Gebet an Ihn zu wenden. Auch für uns „ist es wichtig, der Barmherzigkeit Gottes zu begegnen - insbesondere im Sakrament der Versöhnung - und eine Erfahrung von Wahrheit und Sanftmut zu machen“ (ebd.). Dort nimmt Gott uns an und umarmt uns, er richtet uns auf und verzeiht uns. Josef „lehrt uns auch, dass wir uns inmitten der Stürme des Lebens nicht davor fürchten müssen, das Ruder unseres Bootes Gott zu überlassen“ (ebd.).

Ähnlich wie Maria sprach auch Josef sein „fiat!“ (es geschehe) zum Plan Gottes. Er war Gott gehorsam in dem, worum er ihn bat, obwohl es ihm im Schlaf geoffenbart wurde. Und was erstaunlich erscheint, er „lehrte“ Jesus den Gehorsam. „In der Verborgenheit von Nazaret, in der Schule Josefs, lernte Jesus, den Willen des Vaters zu tun“ (Nr. 3). Und das bis hin zur Passion und zum Kreuz (vgl. Joh 4, 34; Phil 2, 8; Hebr 5, 8).

Wie der hl. Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben Redemptoris custos (1989) über den hl. Josef schrieb: „Der hl. Josef wurde von Gott dazu berufen, durch die Ausübung seiner Vaterschaft unmittelbar der Person und Sendung Jesu zu dienen; auf diese Weise wirkt er in der Fülle der Zeit an dem großen Geheimnis der Erlösung mit und ist tatsächlich »Diener des Heils«“.

Dies alles ereignete sich durch die „Annahme“ Mariens und des Planes Gottes für sie durch Josef. Josef nahm diesen für ihn geheimnisvollen Plan an mit persönlicher Verantwortung, ohne leichte Lösungen zu suchen. Und diese Ereignisse kennzeichnen sein inneres Leben. Somit ist „das geistliche Leben, das Josef uns zeigt, nicht ein Weg, der erklärt, sondern ein Weg, der annimmt (Nr. 4).



Vater in seinem schöpferischen Mut


Auch wenn diese Pläne Gottes die Erwartungen Josefs übertreffen, resigniert er nicht passiv, sondern handelt mit Starkmut. Und so gibt er uns ein Beispiel und er unterstützt uns, wenn es darum geht, unser Leben mit „schöpferischem Mut“ so, wie es ist, anzunehmen, auch mit seinem widersprüchlichen, unerwarteten, ja sogar enttäuschenden Anteil. Der hl. Paulus wird dann sagen, dass „Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt“ (Röm 8, 28).

Es ist leicht anzunehmen, dass die, die Gott wahrhaft lieben, auch die sind, die diese Liebe im Interesse für die anderen zum Ausdruck bringen. Tatsächlich schreibt Franziskus - und drückt dabei noch eine sehr persönliche Sichtweise aus -: „Gerne stelle ich mir vor, dass die Haltung Josefs Jesus zum Gleichnis vom verlorenen Sohn und vom barmherzigen Vater inspiriert hat (vgl. Lk 15,11-32)“. (Ebd.)

Der Papst weist darauf hin, dass anzunehmen, was wir in unserem Leben nicht gewählt haben, und mit schöpferischem Mut zu handeln, Gelegenheiten sind, deren Gott sich bedient, um „bei jedem von uns Ressourcen zum Vorschein bringen, von denen wir nicht einmal dachten, dass wir sie besäßen (Nr. 5)“. Konkret gesprochen: Josef „versteht es, ein Problem in eine Chance zu verwandeln, und zwar dadurch, dass er immer in erster Linie auf die Vorsehung vertraut“.

Wie reagierte Gott auf dieses Vertrauen Josefs? Indem er eben seinerseits auf Josef vertraute – wie das bei uns geschehen kann – auf das, was er planen, ausdenken und finden konnte. Das ist immer – ließe sich von unserer Seite folgern – die christliche Sendung: ein Angebot des Vertrauens Gottes, der unseres verlangt, um große Dinge zu tun.

Und so, wie er der Behüter Jesu und seiner Mutter Maria war, ist es nur „folgerichtig, dass der heilige Josef der Schutzpatron der Kirche ist, denn die Kirche ist die Ausdehnung des Leibes Christi in der Geschichte, und gleichzeitig ist in der Mutterschaft der Kirche die Mutterschaft Mariens angedeutet“ (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 963-970). Dieser Brief könnte „Beschützer der Kirche“ genannt werden. Franziskus ermuntert uns auch in origineller Weise wahrzunehmen, dass wir, wenn wir die Kirche behüten, auch Jesus und Maria behüten. Man erinnere sich an die Aufgabe zu „behüten und dienen“, die der Papst in seiner Predigt in der Messe zum Beginn des Petrusdienstes (19.03.2013) dem hl Josef zuschreibt.

Und nicht nur das, sondern konsequenterweise sind die Bedürftigsten nach dem Willen Jesu (vgl. Mth 25, 40) auch diese „Kind“, das Josef weiterhin behütet: „So ist jeder Bedürftige, jeder Arme, jeder Leidende, jeder Sterbende, jeder Fremde, jeder Gefangene, jeder Kranke „das Kind“, das Josef weiterhin beschützt. Deshalb wird der heilige Josef als Beschützer der Elenden, der Bedürftigen, der Verbannten, der Bedrängten, der Armen und der Sterbenden angerufen“ (Patris corde Nr. 5).

Diese Vertiefung im hl. Josef als Beschützer der Kirche in und durch (wenn auch nicht exklusiv) die Allerärmsten ist wirklich interessant, und sie deutet dabei auch an, dass Maria sich mit ihnen identifiziert. Das ist nicht befremdend, kann man denken, denn sie ist die Mutter der Barmherzigkeit und die Gemahlin Christ, die sich mit allem, was ihn betrifft und ihm wichtig ist, identifiziert. „Von Josef – (schlägt der Papst vor) - müssen wir die gleiche Fürsorge und Verantwortung lernen: das Kind und seine Mutter zu lieben; die Sakramente und die Nächstenliebe zu lieben; die Kirche und die Armen zu lieben. Jede dieser Wirklichkeiten ist immer das Kind und seine Mutter“.

(Ein zweiter Teil wird folgen) 

ubersetzt von I.R.

http://iglesiaynuevaevangelizacion.blogspot.com/2020/12/corazon-de-padre.html



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